• James Pennyworth

Anzug, Krawatte und Tattoo?

Ob tiefgründige Lebensweisheiten oder ausgeflippte Fantasiewesen – der Kreativität sind bei der Motivwahl von Tattoos keine Grenzen gesetzt. Der moderne Körperschmuck ziert schon lange nicht mehr nur die Extremitäten von Outsidern der Gesellschaft. Vielen Menschen gefällt der Gedanke ihre Lebensmottos, den Namen einer geliebten Person oder ein für sie wichtiges Motiv immer bei sich, beziehungsweise auf sich, zu haben. Wie aber verträgt sich die moderne Tattoo-Kunst mit dem adretten Auftreten des Mannes der "alten Schule"? 



Tattoos: ein Tabu-Thema


Eine äußerst schwierige Frage, denn das Thema muss mit größter Sorgfalt angegangen werden. Jemandem höflich und mit besten Absichten darüber zu informieren, dass ihm der Pulli, die Brille, die Kleiderfarbe oder die Frisur nicht steht, ist schon eine knifflige Herausforderung. Letztlich greift man für einen kurzen Moment in das Geschmacksempfinden der Person ein. Also gehört Einfühlungsvermögen und eine gewisse Vertrautheit dazu, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Manche stehen über ihr (Das gehört zu mir, so bin ich), andere sind dankbar für den Rat und wiederum andere sind verunsichert und können im ersten Moment mit Empörung reagieren. Die meisten jedoch nehmen sich den Rat zu Herzen, auch wenn sie innerlich etwas wütend sind. Mit Tattoos haben wir allerdings eine andere Ebene erreicht. Sie muss mit Fingerspitzengefühl angegangen werden: Vorsicht, hochexplosiv!


Tattoos und deren Ästhetik anzusprechen scheint ein Tabu-Thema zu sein. Ein falsches Wort und der Zorn der Person, mehr noch, einer ganzen Community prasselt auf einen hernieder. Es ist schlichtweg kaum möglich jemandem zu sagen, dass sein Tattoo ihm nicht steht, oder es nicht gut aussieht. Wie auch: der Träger hat sich wochen-, monate-, vielleicht sogar jahrelang Gedanken darüber gemacht und Geld in die Hand genommen, um diesen schmerz-behafteten, quasi-permanenten Körperschmuck in einem intimen Moment zu verewigen. Und jetzt sagt jemand, es sieht nicht gut aus? Unmöglich! Doch auch die schwierigen unangenehmen Fragen müssen gestellt werden – Dafür sind wir da.



Gentlemen mit Tattoos: Schön oder skandalös?


Zweifellos verleiht ein Tattoo dem Träger einen weiteren Charakterzug, kann ihn interessanter und attraktiver machen. Wir reden hier auch nicht von einer Randgruppe. Millionen Menschen fühlen sich dem Körperschmuck hingezogen. Ikonen aus dem Sport, dem Film oder der Musik leben vor, wie gut man damit aussehen kann. Auch auf Instagram gibt es eine Vielzahl von Menschen die mit atemberaubendem Motiven Blicke auf sich ziehen. Für das große ABER sorgt dann oft die Realität. Denn: für jedes schöne Tattoo gibt es eine Vielzahl mehr, die leider nicht an das attraktive Image herankommen. Oft sind Männer, die attraktive Tattoos haben, von Natur aus gut-aussehende Menschen mit sportlichen Körpern, Selbstbewusstsein und Charme. Der Mann von nebenan ist das nicht immer. Er hat keinen Stil-, PR-Berater oder Fitness-Coach, sondern ein normales Leben mit Ecken und Kanten, vielleicht einem Bierbauch und ungepflegter Haut. Im echten Leben wird nunmal kein Filter verwendet.


Selbstverständlich liegt Schönheit auch im Auge des Betrachters. Und sowieso: Ein Mann sollte über Charme, Anstand, Höflichkeit und Witz verfügen. Ob er diese Eigenschaften mit oder ohne Tattoo verinnerlicht, ist völlig egal. Der eigene Charakter wird nicht durch das Tattoo definiert. Dennoch, ein Tattoo ist ein Ausdruck der Person und kann von anderen optisch wahrgenommen werden. Es gehört also zu deinem Aussehen und kann nicht eben mal kurz gewechselt oder umgestylt werden. Daher sollte man sich sehr gut überlegen, ob man ein Tattoo möchte oder nicht. Wir raten vorerst zu letzterem.



Viele tun sich mit einem Tattoo keinen Gefallen


Man kann mit einem Tattoo manchmal mehr falsch machen als richtig. Das Motiv könnte unschön sein, die Stelle am Körper untauglich, oder es passt nicht zum Gesamtbild. Auf Hochzeiten, im Business-Umfeld, oder beim Treffen mit der Queen sollte es nicht aufblitzen. Es soll im besten Fall auch nicht erschrecken oder aus der Stimmung bringen, wenn man sich das erste Mal nackt vor dem Partner zeigt – So geschehen bei einer Redakteurin. Wohl oder übel zieht ein Tattoo blicke auf sich, es soll jedoch nicht für negativen Gesprächsstoff sorgen, wenn es deplatziert wirkt, oder nicht gut ankommt. Also entweder kein Tattoo haben, es an einer unauffälligen Körperstelle tragen, oder Modelkörper und tadellosen Stil vorzeigen – schwierig. Eine Sache solltet ihr euch allerdings beherzigen. Keine Person wird zu euch sagen: Mit Tattoo finde ich dich attraktiver. Oder findest du umgekehrt eine bildschöne Frau unattraktiv, wenn sie kein Tattoo trägt? Nein, natürlich nicht. Ein Tattoo ist oftmals der scheinbar einfache Weg, um relativ schnell ein attraktives Image zu kopieren. Dass dies oft nicht die Realität ist, darüber gibt es natürlich keine Social Media posts.


Tattoos auch für Gentlemen geeignet


Wir wollen hier selbstverständlich keine Tattoo-Träger bashen und angreifen. Viele tragen den Körperschmuck auch aus sehr intimen, emotionalen Gründen. Oder einfach weil es ihnen gefällt: sie wollen individuell sein, oder ihre Persönlichkeit um eine weitere Facette bereichern. Wer hier sagt: Das sollst du aber nicht, sonst bist du nicht attraktiv, charmant oder kein Gentleman, der versteht den Kern nicht. Ein Tattoo gehört nur dir und du sollst es mit stolz tragen. Und auch moderne Männer dürfen selbstverständlich Tattoos zeigen. Du wirst weder als unhöflich, unprofessionell oder unseriös abgestempelt, wenn du ein Tattoo besitzt. Wichtig ist nur, dass du gleichzeitig die Dinge verkörperst die den modernen Mann ausmachen: Höflichkeit, Professionalität, Stil, Witz, Charme und Manieren. Heutzutage wird ein Gentleman nicht mehr danach beurteilt, ob er Anzug trägt oder Skatershirt – und schon gar nicht danach, ob sich darunter ein Tattoo verbirgt oder nicht. Dennoch Tattookunst sieht nicht bei jedermann gleichermaßen gut aus und die wenigsten verfügen über Stilempfinden, wie es in den Medien vorgezeigt wird. Um dir also dabei zu helfen und eventuelle Fehltritte zu vermeiden, würden wir dir dazu raten erst die oben genannten Tugenden zu verinnerlichen, bevor du dich an dein eigenes Tattoo wagst. Es schadet nicht danach noch folgende Ratschläge zu befolgen:


- Überlege dir genau, warum du ein Tattoo möchtest. Ist es nur eine Phase oder ein Lebenstraum?

- Mache es nicht zum zentralen Augenmerk. Es soll deinen Stil und Charme begleiten, nicht verdrängen.

- Ein Tattoo sieht bei athletischen und gepflegten Körpern meistens attraktiver aus

- Weniger ist mehr: Ein dezentes Tattoo wirkt besser als viele verschiedene verstreute Motive

- ABER den kompletten Rücken, oder Arm zu tätowieren kann sehr ansprechend sein.

- Wähle Körperstellen, die gut mit Kleidung abzudecken sind.

- Gesicht, Hals und Hände sind Taboo.

- Ober-/Unterschenkel, sowie Brust (frontal) und Bauch (frontal) sind nicht zu empfehlen.

- Obszöne Sprüche haben nichts mit einem Gentleman gemein. Finger weg!

- Wenn ein Schriftzug deinen Körper ziert, achte auf korrekte Rechtschreibung.

- Ein Tattoo ist ein Kunstwerk, also wähle einen sehr guten Tattoo-Künstler.